7 Gedanken - März 2026
- Karin Pfisterer
- 6. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Letzten Monat habe ich eine andere Art des Monatsrückblicks im Newsletter der wunderbaren Linda Kunze erblickt und gerne gelesen. Eine sehr schöne Idee, die mich gleich angesprochen hat. Linda lädt explizit dazu ein, dieses Format zu übernehmen. Ein schönes Schreibritual. Gesagt getan, ich möchte es auch gerne ausprobieren und im besten Fall beibehalten. Allerdings stelle ich fest, dass es gar nicht so einfach ist, Gedanken festzuhalten. Gedanken sind bekanntlich ziemlich flüchtig und schnell wie der Wind oft einfach auf und davon. Wahrscheinlich braucht es auch hier etwas Übung, wie für so vieles im Leben - und in diesem Fall ein Notizbuch in Griffweite.
Gedanke 1: Eine Szene
Im März durfte ich wieder zwei Workshops im Rahmen der 'Weltwerkstatt' halten. Die Weltwerkstatt ist ein breit gefächertes Angebot der Stadt Schwäbisch Hall für Schulen im Rahmen der Nachhaltigkeitsbildung. Mein Workshop für Grundschüler heißt "Mein T-Shirt und die Welt" und macht den Kindern und mir immer recht viel Freude. Wir entdecken zusammen, wie und wo Baumwolle wächst, wo Stoffe hergestellt werden, wie weit Transportwege sein können und vieles mehr. Wir breiten eine große Weltkarte auf dem Fußboden aus und suchen gemeinsam die verschiedenen Länder, die in den Etiketten unserer T-Shirts erwähnt werden. Es ist toll, wie interessiert die Kinder immer dabei sind.
Und nun zu der Szene, die mir im Gedächnis geblieben ist: Ich fragte in die Runde, ob sie denn wüssten, wo Bangladesh liege. Schulterzucken und fragende Gesichter. Bis auf Farhan (Name geändert). Er meldete sich schüchtern und zeigte uns allen dann sehr sicher, wo das Land liegt, nämlich am östlichen Rand des indischen Subkontinents. Kurz darauf suchten wir Pakistan. Wieder Schulterzucken und fragende Gesichter. Bis auf Farhan. Dieses Mal nordwestlich von Indien. Chapeau! Es stellte sich heraus, dass er aus Pakistan stammt und sich deshalb sehr gut in dieser Ecke der Landkarte auskennt. Das Tolle war, dass er hier in der Weltwerkstatt, in einer völlig anderen Umgebung, die Chance hatte, sich ganz neu zu zeigen. Er scheint wohl ein sehr schüchterner Junge zu sein. Die Lehrerin lobte seine guten Kenntnisse in Geografie und er strahlte sichtlich stolz.
Gedanke 2: Eine Erkenntnis aus meinem Business
Seit letztem Jahr bin ich dabei, mir ein weiteres Standbein aufzubauen, neben meinen Vorträgen, die ich sehr liebe und die es weiterhin geben wird. Ich biete 👗Kleiderschrank DETOX an - eine praktische alltagstaugliche Erweiterung und Ergänzung meiner Vortragsthemen. Denn ich stelle immer wieder fest, dass das Thema nur wenige unberührt lässt.
Beim Thema Kleiderschrank DETOX geht es nicht nur um das reine Ausmisten, das natürlich im ersten Schritt als Hilfe zur Selbsthilfe und Motivation zum Dranbleiben. Im zweiten Schritt geht es aber auch um Identität und Selbstgefühl. Fragen wie: Wer bin ich? Passt meine Kleidung noch zu meinem aktuellen Leben? Ist das vielleicht einer der Gründe, warum ich morgens oft ratlos vor einem übervollen Kleiderschrank stehe und doch nichts zum Anziehen finde? Was darf ich gehen lassen? Schadet meine Kleidung der Umwelt? Was kann ich besser machen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen viele von uns.
Im letzten Monat bin ich in Bezug auf weitere mögliche Angebote einen großen Schritt vorwärts gekommen. Vieles fühlt sich inzwischen klarer an. Ein sehr gutes Gefühl. Ich freue mich schon sehr aufs Ausarbeiten und Umsetzen weiterer Programmteile.

Gedanke 3: Etwas Persönliches
Ich denke gerade noch darüber nach, was hier stehen darf.
Alle vorigen und folgenden Gedanken, die ich in diesem Beitrag hier teile, sind für mich auch sehr persönlich. Es stellt sich mir gerade die Frage, wieviel Persönliches möchte ich teilen? Wo fängt Privates an? Und das ist ein Gedanke, worüber sich das Nachdenken lohnt. Wer weiß, ob ich bis zum nächsten Blogbeitrag
'7 Gedanken' eine Antwort darauf gefunden habe?
Gedanke 4: Ein Satz, der geblieben ist
"Vor 30 Jahren haben wir geglaubt, wir hätten es geschafft." Dieser Satz blieb mir hängen. Ich war als Referentin zu einem Vortrag über Faire Mode bei einem Frauenfrühstück eingeladen. Beim Frühstücken kamen wir dann auf mein zweites Lieblingsthema: Frauengeschichte. Es entspann sich ein engagiertes Gespräch. Ja, wir waren wirklich schon mal weiter und überzeugt davon, es würde alles gut werden - wir Frauen in Deutschland würden die Gleichberechtigung noch zu unseren Lebzeiten erreichen. Leider ist das Patriarchat immer mehr auf dem Vormarsch. Für viele Männer fühlen sich unsere Forderungen offenbar so an, als ob sie dadurch in ihren Rechten beschnitten würden. Dabei stimmt das gar nicht. Wir beanspruchen nur ein größeres Stück vom Kuchen, als sie uns zugestehen, nämlich genau die Hälfte. Wenn 'Mann' sich wie sie über Jahrhunderte an Privilegien gewöhnt habe, fühle sich die Forderung der Frauen nach Gleichberechtigung an, als wenn 'Mann' weniger Rechte hätte, dabei müsste er nur von seinen Vorteilen etwas abgeben, was aber ziemlich schmerze und sich wie Verlust anfühle, so hat es kürzlich ein Mann erklärt, der auf unserer Seite steht. - War dieser Lindwurmsatz verständlich genug? Bitte bei gerne noch einmal lesen 🤓
Mag schon sein. Aber das muss uns egal sein. Wir wollen nicht nur ein größeres Stück vom Kuchen. Am besten wäre es, wir forderten gleich die ganze Konditorei - dann gäbe es mit Sicherheit weniger Kriege und andere Scheußlichkeiten.

Gedanke 5: Etwas, das sich verändert hat
Am 1. Dezember 2025 habe ich wieder mit dem Laufen angefangen, nach längerer Pause. Dazwischen gab es zwei Anläufe. Einer musste wegen einer Knieverletzung abgebrochen werden, die nichts mit dem Laufen zu tun hatte, und einer wegen zu dominantem inneren Schweinehund. Inzwischen ist der Damm gebrochen und es gibt keine Ausreden mehr (solange die Gesundheit mitmacht). Nach dem Laufen fühle ich mich immer sehr gut. Manchmal sogar auch schon während des Laufens 😉 Was sich seither verändert hat ist, dass ich schon 5-6 km am Stück schaffe, nicht sehr schnell, aber das ist egal. Das Tempo kommt automatisch mit der Zeit (ich weiß das aus eigener Erfahrung und von kompetenter Seite). Jeder Kilometer zählt. Beim Wandern 🥾 komme ich inzwischen viel leichter und schneller den Berg hinauf als noch vor ein paar Monaten. Das ist toll und macht mich stolz. Ausdauer lohnt sich - und ist auf viele Bereiche übertragbar. Also weiter so! Wir haben vieles selbst in der Hand - oder in den Beinen.

Gedanke 6: Eine Überraschung
Dieser März war ein Monat mit vielen Vortragsterminen. Anstrengend auf der einen Seite, sehr bereichernd auf der anderen. Beim letzten Termin wartete eine schöne Überraschung auf mich. Es war bei einem Sektfrühstück in der Nähe meines Wohnortes in einer schönen, modernen und hellen Weinstube (ohne diesen Muff aus früheren Zeiten). Als ich zu meinem Platz geleitet wurde, staunte ich nicht schlecht: Direkt daneben saß eine Freundin von mir. Sie hatte von meinem Termin erfahren, sich angemeldet und mir nichts davon erzählt. Die Überraschung ist ihr wirklich gelungen. Wir hatten an diesem Vormittag noch viel Spaß und gute Gespräche. Im Anschluss an meinen Vortrag zum Thema 'Fromme Frauen - rebellische Weiber' gab sie mir eine wertvolle, inhaltliche Anregung, die ich unbedingt aufnehmen werde.

Gedanke 7: Ein Ausblick
Welche Frage oder welchen Gedanken werde ich in den April mitnehmen? 'Wieder mehr Optimismus wagen.' Von Haus aus bin ich sehr optimistisch. Die aktuelle Weltlage macht aber auch mir gerade sehr zu schaffen. Populismus und Hass greifen um sich, Frauenrechte werden in Frage gestellt und geraten zunehmend unter Druck. Da ist es nicht so leicht, optimistisch zu bleiben. Heute habe ich einen Beitrag von Robert Habeck gesehen, in dem er berichtet, dass er den Eindruck habe, dass sich die Stimmung in den USA seit ein paar Monaten gedreht habe. Viele der Wechselwähler hätten genug von der aktuellen Situation und würden heute anders entscheiden. Das lässt hoffen.
Auch die internationale Frauenbewegung hat neuen Aufschwung bekommen. Über Skandale wird endlich gesprochen (siehe Gisèle Pelicot, Collien Fernandes und andere). Immer mehr Frauen sind entsetzt, enttäuscht und wütend und schließen sich zusammen. Im patriarchalen Südkorea verweigern viele junge Frauen die Ehe und das Kinderkriegen. Das scheint kein kurzlebiger Trend zu sein, das ist echter Widerstand, denn sie haben genug von der Bevormundung und Unterdrückung durch Männer. 4B heißt diese Bewegung: 4 Nein (der koreanische Begriff 'bi' bedeutet so viel wie nein) - kein S6x, kein Dating, keine Ehe und keine Kinder mit Männern.
Der Schriftsteller und Philosoph Richard David Precht ist der Meinung, dass die Geschichte nicht linear abläuft, sondern dialektisch. Dass heißt für ihn, auf Fortschritte folgen Rückschritte, auf diese dann aber auch wieder Fortschritte. Ich hoffe, dass der aktuelle Rückschritt schon groß genug ist, um bald an einen Wendepunkt zu kommen!
Danke fürs Lesen.
Bewusste Veränderungen beginnen oft im Kleinen.
Karin Pfisterer
STARKER STOFF

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